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¿Hay diesel? Gibt es Diesel? – Bolivien

April 2025 /

Noch auf peruanischer Seite fahren wir entlang des endlosen Titicacasees und verbringen auch eine sehr windige Nacht an dessen Ufer bevor es über die Grenze nach Bolivien gehen soll.

Still on the Peruvian side, we drive along the endless Lake Titicaca and spend a very windy night on its shore before crossing the border into Bolivia.

Und so schnell ist es passiert – wir stecken fest. Wir sind über den reibungslosen Grenzübertritt wohl so erleichtert, dass wir glatt einen Abzweiger verpassen und nehmen kurzerhand einen Feldweg um wieder auf die richtige Strasse zu kommen. Unter der trockenen Oberfläche, verbirgt sich aber ein richtiges Matschloch. Mit nur einer Umdrehung der Räder sind diese komplett voll Schlamm und es geht nicht mehr vor und nicht mehr zurück. Da hilft nichts anderes als die Schaufel und Sandbleche auszupacken und sich barfuss in den Matsch zu stellen. Auf fast 4000 Metern Höhe schaufelt es sich aber deutlich schwerer als gedacht. Nach einer halben Stunde des erfolglosen Grabens, sind wir sehr froh als sich ein Taxifahrer unserer erbarmt und sich als Ankerpunkt für unsere Seilwinde bereitstellt. Denn wenn man feststeckt, ist natürlich weit und breit kein Baum in Sicht.

And just like that, we’re stuck. We must have been so relieved to have crossed the border without any problems that we missed a turn and took a dirt road to get back on the right track. But beneath the dry surface was a real mud pit. With just one spin of the wheels, they are completely covered in mud and we can’t move forward or backward. The only thing that helps is to unpack the shovel and sand plates and stand barefoot in the mud. At an altitude of almost 4,000 meters, however, shoveling is much harder than expected. After half an hour of unsuccessful digging, we are very happy when a taxi driver takes pity on us and offers to be the anchor point for our winch. Because, of course, when you’re that stuck, there’s no tree in sight.

Von oben bis unten voll Schlamm und von der ganzen Aktion doch etwas gedemütigt, machen wir und unser Troopy uns in Richtung der Hauptstadt La Paz auf. Mit etwas schlechtem Gewissen lassen wir unser Auto waschen. Für die zwei Stunden Wäsche von Hand werden umgerechnet läppische 4 CHF verlangt, wir lassen aber zusätzlich ein ordentliches Trinkgeld da.
In der Ferne türmt sich der 6088 MüM hohe Berg Huayna Potosí über der Stadt La Paz auf. Nach dem bereits sehr ereignisreichen Tag, wählen wir zu unserem weiteren Leidwesen einen Übernachtungsplatz, der es in sich hat: Wir werden gleich zweimal in der Nacht von der Polizei geweckt und gründlich überprüft. Da sind wir wohl doch noch zu nah an der Grossstadt.

Covered in mud from head to toe and feeling somewhat humiliated by the whole experience, we set off with our Troopy towards the capital city of La Paz. With a slightly guilty conscience, we have our car washed. The two-hour hand wash costs a mere 4 CHF, but we leave a generous tip on top of that.
Far away, the 6,088-meter-high Huayna Potosí mountain towers over the city of La Paz. After an already eventful day, we choose a place to spend the night that turns out to be quite unfortunate: we are woken up and extensively checked by the police twice during the night. Despite the preceived distance, we chose a camp probably too close to the large city still.

Durch die Städte Oruro, Sucre und Potosí, fahren wir in Richtung Uyuni. Die Stimmung im Land scheint angespannt und die Situation mit der Treibstoffknappheit mehr als aussichtslos. An den meisten Tankstellen gibt es gar keinen Diesel oder er ist verständlicherweise den Einheimischen vorbehalten. Als wir schliesslich eine Tankstelle finden, welche auch an Ausländer verkaufen darf, scheint die LKW Kolonne unendlich lang. Nach gut zwei Stunden des Anstellens sind wir dann an der Reihe. Marcel’s Pass wird ins Tankhäusschen mitgenommen und unser Kennzeichen vermerkt. Dann klappt aber die Tankerei ohne Zwischenfälle und die Leute sind dabei auch noch äusserst nett und gesprächig.

We drive through the cities of Oruro, Sucre, and Potosí toward Uyuni. The mood in the country seems tense, and the fuel shortage situation appears hopeless. Most gas stations have no diesel fuel, or it is understandably reserved for locals. When we finally find a gas station that is allowed to sell to foreigners, the line of trucks seems endless. After a good two hours of queuing, it’s finally our turn. Marcel’s passport is taken into the gas station hut and our license plate number is noted. But then the refueling goes smoothly without any incidents and the people are very nice and talkative.

Zum üblichen Durcheinander der Tuk-Tuks herrscht in der Stadt Potosí eine zusätzliche Anspannung. Was eine einfache Durchfahrt hätte sein sollen, wird zum regelrechten Spiessroutenlauf. Es wimmelt in der Stadt von Demonstranten und viele der Strassen darunter natürlich auch alle Hauptstrassen, werden von den Demonstrierenden verbarrikadiert. So kurven wir auf der Suche nach einem Ausweg eine Ewigkeit in den kleinen Gässchen rum und sind dabei mehrfach froh, dass unser Troopy so schmal ist, da wir oft nur knapp durchkommen. Ausserhalb der Städte ist die Landschaft aber wunderschön und wir finden tolle Übernachtungsplätze nun auch ohne nächtliche Ruhestörungen.

In addition to the usual chaos caused by tuk-tuks, there is an added strain in the city of Potosí. What should have been a simple drive through turns into a veritable obstacle course. The city is teeming with demonstrators, and many of the streets, including all the main roads, are barricaded by protesters. So we drive around the small alleys seemingly endlessly in search of a way out, and are several times glad that our Troopy is so narrow, as we often only just fit right through. Outside the cities, however, the landscape is beautiful and we are now finding great places to stay overnight without any disturbance at night.

Als wir beim weltberühmten Salzsee «Salar de Uyuni» ankommen, sehen wir als erstes nur eine spiegelglatte Wasserfläche. Von der eigentlichen Salzkruste selbst, ist aufgrund der starken Regenfälle der vergangenen Wochen nicht viel zu sehen. Da wir so – nicht wie die einheimischen Tourguides, sicheren festen Untergrund nicht von weichem matschigem unterscheiden können, entscheiden wir uns gegen das Befahren mit unserem eigenen Auto. Eine Bergung des Fahrzeugs kostet hier nämlich schnell gute 1000 USD. Die Stadt Uyuni selbst scheint ein Knotenpunkt für viele touristische Offroad Aktivitäten in Bolivien zu sein. So warten hier an den zwei vorhandenen Tankstellen gut über 50 Fahrzeuge der Toyota Land Cruiser 80er Serie, welche später am Tag wohl Touren auf den See oder auch auf die unter Overlandern berühmt berüchtigte «Lagunenroute» unternehmen. Und genau da wollen wir nämlich auch hin. Wir stocken also unsere Vorräte, Wasser und Diesel auf – an der Tankstelle werden wir hier sogar einfach vorgelassen und machen uns auf den Weg in Richtung Süden.

When we arrive at the world-famous salt lake “Salar de Uyuni,” the first thing we see is a mirror-smooth surface of water. Due to the heavy rainfall in recent weeks, there is not much of the actual salt crust to be seen. Since we are unable to distinguish between solid ground and soft mud, unlike the local tour guides, we decide against driving our own car. Vehicle recovery here can easily cost a good USD 1,000. The city of Uyuni itself seems to be a hub for many off-road tourist activities in Bolivia. More than 50 Toyota Land Cruiser 80 series vehicles are waiting at the two gas stations here, which will later in the day probably take tours to the lake or the “lagoon route,” notorious among overlanders. And that’s exactly where we want to go. So we stock up on supplies, water, and diesel – at the gas station, we are even allowed to go ahead of the line – and set off southward.

Wie der Name verspricht, gibt es auf dieser Route sehr viele Lagunen zu bestaunen. Als Einstieg geht es dabei gleich auch hoch hinaus: Die gesamte Lagunenroute befindet sich auf dem bolivianischen Altiplano und so verbringen wir die nächsten Tage kontinuierlich auf Höhen von über 4000 MüM. Die gewählte Route bringt uns als erstes zu Laguna Hedionda auch als Smelly Lake bekannt, wo wir auch endlich die lang ersehnten Flamingos aus nächster Nähe beobachten können. Weitere Lagunen auf unserem Weg sind Laguna Chiar Khota (oder Laguna Negra), Ukhuqucha (auch Honda), Ramaditas, Cachi, und Laguna Khara, welche sich alle in Form, Farbe, Gestank und Flamingobestand unterscheiden.

As the name suggests, there are many lagoons to admire on this route. We start by climbing high: the entire lagoon route is located on the Bolivian Altiplano, so we spend the next few days continuously at altitudes of over 4000 meters above sea level. The chosen route first takes us to Laguna Hedionda, also known as Smelly Lake, where we can finally observe the long-awaited flamingos up close. Other lagoons on our way are Laguna Chiar Khota (or Laguna Negra), Ukhuqucha (also known as Honda), Ramaditas, Cachi, and Laguna Khara, all of which differ in shape, color, smell, and flamingo population.

Wir befinden uns in einer regelrechten Mondlandschaft und können meist aus unzähligen parallel laufenden Fahrspuren diejenige auswählen, welche am wenigsten rüttelt. An unserem Weg liegt der bekannte «Árbol de Piedra» – ein Baum aus Stein. Die gut 7 Meter hohe Steinskulptur, wirkt als könne sie jeden Moment umfallen.

We find ourselves in a veritable lunar landscape and can usually choose the least bumpy route from countless parallel tracks. Along the way, we pass the famous “Árbol de Piedra” – a tree made of stone. The stone sculpture, which is a good 7 meters high, looks as if it could fall over at any moment.

Nach zwei Tagen purem Offroad Abenteuer in absoluter Abgeschiedenheit, erreichen wir die berühmte Laguna Colorada, deren rote Farbe bereits von weitem leuchtet. Wer hier keine Bolivianos mehr übrig haben sollte, steht vor einem grösseren Problem: Der Nationalpark «Eduardo Avaroa Andean Fauna» kostet nämlich Eintritt – ohne Bezahlung, keine Weiterfahrt. Hier gibt es neben erneut unzähligen Flamingos auch wieder unzählig viele Touristen. Wir verbringen die Nacht auf dem Parkplatz am südlichen Aussichtspunkt und sind dort nach dem Eindunkeln aber wieder komplett alleine und einzig die nächtlichen Windböen schütteln uns ordentlich durch.

After two days of pure off-road adventure in complete solitude, we reach the famous Laguna Colorada, whose red color already glows from afar. Anyone who has no bolivianos left here faces a major problem: the «Eduardo Avaroa Andean Fauna» National Reserve charges an entrance fee—no payment, no entry. Here, in addition to countless flamingos, there are again countless tourists too. We spend the night in the parking lot at the southern viewpoint, where after dark we end up completely alone, with only the nightly gusts of wind shaking us thoroughly.

Am nächsten Morgen lesen wir -10°C vom Thermometer ab und können es kaum erwarten, dass sich die wärmende Sonne endlich blicken lässt. Der nächste Tag steht ganz im Rahmen der Geothermie: Wir besuchen das Geysirfeld «Sol de Mañana», welches auf 4900 MüM liegt und baden etwas später in den «Thermas de Polques». Die Therme bietet nebst mehreren Pools mit unterschiedlichen Temperaturen, einen unwirklichen Ausblick auf die Laguna Chalviri mit ihren grasendem Vicuñas, eine Handvoll nach wie vor faszinierende Flamingos und einen weiss gepuderten Vulkan in der Ferne. Dieses Bad haben wir uns aber hart verdienen müssen, denn die Piste dorthin, hat sich angefangen beim Eintritt in den Park schlagartig verschlechtert. Wir werden durch das erstaunlich hohe Wellblech ordentlich durchgeschüttelt. Auch gibt es diesmal absolut kein Entrinnen, denn ein einfaches Wechseln der Spur wie zuvor, ist aufgrund der hohen Seitenwände des Tracks – zum Teil mehr als 50 cm, nicht mehr möglich.

The morning after, we read -10°C on the thermometer and can hardly wait for the warming sun to finally show itself. This day is all about geothermal energy: we visit the “Sol de Mañana” geyser field, which is located at 4900 meters above sea level, and a little later we bathe in the “Thermas de Polques.” In addition to several pools with different temperatures, the thermal baths offer an unreal view of Laguna Chalviri with its grazing vicuñas, the ever-fascinating flamingos, and the white powdered volcano in the distance. However, we had to work hard to earn this bath, because the road there deteriorated abruptly as soon as we entered the park. We were thoroughly shaken by the surprisingly high corrugations. And this time, there is absolutely no escape, as simply changing lanes as before is no longer possible due to the tracks high side walls, some of which more than 50 cm high.

Unser Weg führt uns entlang der «Desierto de Salvador Dali» – der Salvador Dali Wüste weiter. Dort sollen, ähnlich wie in der Kunst des Malers, die Steinskulpturen wirken als ob sie in der Hitze der Sonne geschmolzen sind. Von weitem können wir das leider nicht so gut beurteilen und eine Fahrt durch die Wüste scheint aufgrund der neuen Strassenführung nicht mehr möglich. Vielleicht haben wir uns vor all den wachenden Augen der Touristen und ihren Guides auch einfach nicht getraut auf den kaum mehr sichtbaren Track abzubiegen und einfach so «mitten durch die Kunst» zu fahren.

Our route takes us along the “Desierto de Salvador Dali” – the Salvador Dali Desert. Similar to the painter’s art, the stone sculptures there are supposed to look as if they have melted in the heat of the sun. Unfortunately, we can’t judge this very well from a distance, and a drive through the desert no longer seems possible due to the new road layout. Or perhaps, we simply didn’t dare to turn off the barely visible track and drive «right through the art” in front of all the watchful eyes of the tourists and their guides.

Der eindrückliche Volcàn Licanbur türmt sich schon von weitem sichtbar auf seine 5920 MüM auf. Ihm zu Fusse liegen die beiden Lagunen Blanca und Verde. Bei der Fahrt mitten zwischen den beiden Lagunen hindurch, geniessen wir erneut die unglaubliche Farbenpracht – auch wenn die Namensgebung unserer Meinung nach hier nicht so ganz passend erscheint.

The impressive Volcán Licanbur towers up to 5,920 meters above sea level and is visible from afar. At its foot lie the two lagoons, Blanca and Verde. As we drive between the two, we once again enjoy the incredible display of colors—even if we don’t think the names are entirely appropriate here.

Mit dem Grenzübergang am «Paso Portezuelo del Cajón» endet mit der erneuten Einreise nach Chile unsere wahnsinnig abwechslungsreiche, äusserst farbenprächtige und manchmal auch etwas nervenaufreibende Reise durch Bolivien. Wir verbringen auf chilenischer Seite eine letzte Nacht in der Nähe des Volcàn Licanbur, bevor wir erneut San Pedro de Atacama für ein nun wieder problemloses Auftanken mit Diesel und das dringend notwendige Aufstocken der Vorräte anfahren.

Crossing the border at «Paso Portezuelo del Cajón» and thereby re-entering Chile marks the end of our incredibly varied, extremely colorful, and sometimes nerve-wracking journey through Bolivia. On the Chilean side, we spend one last night near Volcàn Licanbur before heading back to San Pedro de Atacama to refuel with diesel and stock up on urgently needed supplies.

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