März 2025 /
Noch von den letzten Strandtagen träumend, entscheiden wir uns nach dem Abstecher ins Landesinnere wieder an die Küste Nordchiles zu fahren. Ein grosser Fehler: Ab Antofagasta nordwärts gleicht jeder auf den ersten Blick noch so schöne Strand einer kleinen Müllhalde. Bei der Stadt Iquique, welche sehr eindrücklich dicht an einer hunderte Meter Hohen Düne liegt, verlassen wir den schmalen Streifen Land in Meeresnähe und machen uns in Richtung Grenze zu Peru auf. Auf dem Weg dorthin gibt es noch alte und auch neue Petroglyphen zu bestaunen.
Still reminiscing about the last few days on the beach, we decide to head back to the coast of northern Chile after our detour inland. A big mistake: from Antofagasta northwards, every beach, however beautiful at first glance, resembles a small garbage dump. At the town of Iquique, which is impressively close to a dune hundreds of meters high, we leave the narrow strip of land near the sea and head towards the border with Peru. On the way there, we marvel at both old and new petroglyphs.








Für den Grenzübertritt sind wir gut vorbereitet, ausser ein Formular, welches wir dreimal mit gleichem Inhalt hätten ausfüllen sollen, hatten wir nur zweimal dabei. Gibt es denn an diesem Zoll keine Kopierer fragen wir uns, während wir die dritte «Kopie» mit dem dargereichten Stift gleich am Schalter ausfüllen. Zum Glück hatten wir insgesamt vier Ausdrucke des Zettels dabei, denn das Formular wäre am Zoll selbst nicht erhältlich gewesen. Inklusive der langen Anstellerei von 2 Stunden, dem Ausfüllen des Temporär Imports fürs Auto, der Durchsuchung und dem einzelnen Scannen unserer Kleidertaschen sind wir nach gut einem halben Tag in Peru eingereist. Für die geplante Route haben wir 30 Tage Aufenthalt erhalten, was rückblickend doch sehr knapp bemessen war. Für eine ausgedehntere Peru Rundreise würden es schon alleine wegen den schlechten Strassenverhältnissen deutlich mehr Zeit benötigen.
We are well prepared for the border crossing, except for a form that we should have filled out three times with the same content, which we only had with us twice. Are there no photocopiers at this customs office, we ask ourselves, as we fill in the third “copy” with the pen handed to us at the counter. Fortunately, we had a total of four printouts of the slip of paper with us, as the form would not have been available at customs itself. Including the long queue of 2 hours, filling out the temporary import form for the car, the search and the individual scanning of our bags of clothes, we entered Peru after just over half a day. We were given 30 days for the planned route, which in retrospect was very short. For a longer Peru round trip, we would have needed considerably more time simply because of the poor road conditions.
Ab der Grenze fällt uns schlagartig der veränderte Fahrstil auf. Die Peruaner sind deutlich rasanter und waghalsiger unterwegs als wir es von den vorherigen Ländern gewohnt sind. An die riskanten Überholmanöver in Kurven ohne jegliche Sicht, werden wir uns bis zur Ausreise nicht gewöhnen. Zudem wird nun zum Bremsen, Abbiegen, Vorbeifahren und Begrüssen jeweils gehupt. In den Städten ergibt sich daraus zusätzlich zum Gewusel der ganzen Tuk-tuks ein regelrechtes Hupkonzert.
After crossing the border, we immediately notice the change in driving style. The Peruvians drive much swifter and more recklessly than we were familiar with from previous countries. We won’t get used to the risky overtaking maneuvers around curves without any visibility until we leave the country. In addition, people now honk their horns when braking, turning, passing and saying hello. In the cities, this results in a real honking concert in addition to the hustle and bustle of all the tuk-tuks.







Gleich in der ersten Stadt suchen wir dank des Rates von Freunden, welche ebenfalls mit einem Land Cruiser in den Anden unterwegs waren, einen Autoladen auf und decken uns mit einer ganzen Ladung Diesel Zusätzen ein. Das «Diesel Super Additiv» von LIQUI MOLY können wir sehr empfehlen – wichtig dabei ist, dass der Cetan-Wert erhöht wird und somit die schlechtere Verbrennung in höheren Lagen etwas unterstützt wird. So werden wir zum Glück bereits schon nach der ersten Zugabe des Additivs in beide unserer Tanks das Ruckeln vollständig los und wir können die Fahrt mit unserem Troopy tatsächlich wieder geniessen.
In the very first town, thanks to the advice of friends who were also traveling with a Land Cruiser trough the andes, we visit a car store and stock up on a whole load of diesel additives. We can highly recommend the “Diesel Super Additive” from LIQUI MOLY – the important thing here is that the cetane value is increased and thus the poorer combustion at higher altitudes is somewhat supported. Thankfully, the addition of these additives immediatly gets rid of the jerking and we can actually enjoy driving our Troopy again.









Von Arequipa fahren wir durch das «Reserva Nacional de Salinas y Aguada Blanca», eine tolle Hochebene mit Lagune und unzähligen Lamas und Alpakas. Unser nächstes Ziel soll der berühmte Colca Canyon sein. Erst übernachten wir aber in der Nähe des 5976 Meter hohen und dazu noch äusserst aktiven Vulkans Sabancaya. Während unseres Aufenthalts verhält sich dieser aber sehr ruhig und stösst nur weisse Schäfchenwolken aus.
From Arequipa, we drive through the “Reserva Nacional de Salinas y Aguada Blanca”, a fantastic plateau with a lagoon and countless llamas and alpacas. Our next destination is the famous Colca Canyon. But first we spend the night near the 5976 meter high and very active Sabancaya volcano. During our stay, however, the volcano is very quiet and only emits white fluffy clouds.

Am nächsten Morgen wagen wir die ersten Blicke in die Tiefen des Colca Canyons. Über 1000 Meter geht es runter – wenn man von den gegenüber liegenden Bergspitzen rechnet sollen es sogar über 3000 Meter sein. Sobald die Sonnenstrahlen das Gestein aufwärmen und die Thermik einsetzt, steigen die Kondore aus den Steinhängen in die Höhe. Mühelos gleiten sie entlang der Felsen immer höher und höher. Wir und dutzende andere Touristen schauen dem Spektakel zu. Wie aus dem Nichts wird dichter Nebel im Canyon hochgezogen und verdeckt innert weniger Sekunden jegliche Sicht. Die Busse und Cars mit welchen die anderen Reisenden gekommen sind, mahnen durch kurzes Hupen zum Aufbruch und so sind wir als sich der Nebel nur kurze Zeit später wieder verzieht komplett alleine auf der Plattform wo die Kondore erneut zum Abflug ansetzen.
The next morning, we dare to take our first peek into the depths of the Colca Canyon. The descent is over 1000 meters – if you count from the mountain peaks opposite, it is said to be over 3000 meters. As soon as the sun’s rays warm up the rock and the thermal upwinds start, the condors rise up from the rocky cliffs. They glide effortlessly higher and higher along the rocks. We and dozens of other tourists watch the spectacle. As if out of nowhere, thick fog rises in the canyon and obscures all visibility. The buses and cars in which the other travelers have arrived honk their horns to remind everyone to leave and so, when the fog clears again just a short time later, we are completely alone on the platform where the condors are about to take off again.









Nach den tollen Begegnungen mit den Kondoren, welche nur wenige Meter vor uns an der Bergkante vorbeigesegelt sind, brechen wir in Richtung eines unerwarteten Highlights auf: Die AR106, welche von Huambo nach Andagua führt. Einfach eine atemberaubende Strecke, wie ihr unten gleich selbst sehen könnt.
After the great encounters with the condors, which sailed past the edge of the cliff just a few meters in front of us, we set off in the direction of an unexpected highlight: The AR106, which leads from Huambo to Andagua. Simply a breathtaking route, as you can see for yourself below.



Gerade ist Ende Regenzeit. Wir gewöhnen uns also an einen immer gleichen Ablauf des Wetters. Morgens ist Sonnenschein, gegen Mittag zieht dann der Nebel hoch und Nachmittags regnet es wie aus Strömen. Von Andagua fahren wir über ein erneutes Hochplateau am Coropuna Vulkan vorbei. Das morgendliche Schönwetterfenster verpassen wir dabei knapp und noch auf dem Plateau selbst beginnen die Lamas im dichten Nebel zu verschwinden. Auf dem Weg nach unten kommts wie es kommen muss und wir sehen auf der schmalen und kurvenreichen Bergstrasse nur noch wenige Meter weit. Die tiefen Schlaglöcher entdecken wir oft erst dann, wenn’s sowieso schon zu spät ist. Von den uns meist in der Strassenmitte entgegenkommenden Autos ganz zu schweigen. Wir retten uns auf eine kleine Nebenstrasse, welche zu Mobilfunkantennen oberhalb der Stadt Cotahuasi führt und beschliessen das schlechte Wetter dort auszusitzen. Wenigstens haben wir dort trotz Weltuntergangsstimmung durch das anschliessende Gewitter ausnahmsweise mal sehr guten Empfang. Am nächsten morgen können wir von dort oben auf das eindrückliche Nebelmeer, welches Cotahuasi immer noch vollkommen verdeckt, herunterblicken.
It’s the end of the rainy season. So we are getting used to the same weather routine. The sun shines in the morning, then the fog rolls in around midday and it rains cats and dogs (or llamas and alpacas) in the afternoon. From Andagua we drive over another high plateau past the Coropuna volcano. We narrowly miss the morning’s window of good weather and the llamas start to disappear in the thick fog while we’re still on the plateau. On the way down, it comes as it must and we can only see a few meters far on the narrow and winding mountain road. We often only notice the deep potholes when it’s already too late. Not to mention the cars often coming towards us in the middle of the road. We save ourselves onto a small side road that leads to some mobile phone antennas above the town Cotahuasi and decide to sit out the bad weather there. At least we have very good mobile reception for once, despite the doomsday atmosphere caused by the subsequent thunderstorm. The next morning, we can enjoy the impressive sea of fog from up above, which still completely obscures Cotahuasi.












Kondore kriegt man nicht nur im berühmten Colca Canyon zu sehen, denn sie kreisen in fast jedem Tal mit steil abfallenden Hängen über unseren Köpfen und manchmal trifft man sie auch sehr unerwarteterweise direkt vor einem auf der Strasse an: Wir fahren nichts ahnend um die Kurve und Vogel und Mensch sind gleichermassen verblüfft. Wenige Sekunden starren wir uns gegenseitig an bis der Kondor dann doch seine Beute (ein Stück vertrocknetes Leder) liegen lässt und sich auf einem Felsvorsprung auf der anderen Seite des Flusses in Sicherheit bringt. Wir wussten ja bereits, dass diese Vögel riesengross sind, aber wenn einer nur wenige Meter vor einem abhebt, ist das umso beeindruckender. Zudem sind wir nun mitten in den Dschungel eingetaucht, Lianen ranken sich zwischen den Bäumen, Bromelien und Tillandsien wachsen auf den Ästen und es wimmelt von Kolibris.
Condors are not only to be seen in the famous Colca Canyon, as they circle above our heads in almost every valley with steep inclines and sometimes they can be spotted right in front of us on the road: We drive unsuspectingly around a bend and both bird and humans are equally surprised and startled. We stare at each other for a few seconds until the condor leaves its prey (a piece of dried leather) and takes refuge on a rocky ledge on the other side of the river. We already knew that these birds are huge, but when one is taking off just mere meters in front of you, it’s all the more impressive. What’s more, we are now immersed in the middle of the jungle, lianas twine between the trees, bromeliads and tillandsias grow on the branches and hummingbirds swarm around.









Dank der Dieselzusätze und Tee aus Coca-Blättern läuft es in der Höhe weiterhin rund und so wagen wir es den nächsten Pass in Angriff zu nehmen. Es geht auf über 5000 MüM hoch. Wir und unser Troopy haben aufgrund des gemeinsamen Leistungsverlusts durch den mangelnden Sauerstoff hart zu kämpfen. Unterwegs sehen wir viele Bergviscachas, welche auch sehr zutreffend als Hasenmäuse bezeichnet werden und entdecken schon aus der Ferne ein uns unbekanntes Riesengewächs. Marcel hat sich für die Grössenreferenz den Berghang hochgekämpft, was in diesen Höhenlagen eine im wahrsten Sinne atemberaubende Angelegenheit ist. Bei der Pflanze handelt es sich (nachträglich recherchiert) um eine Puya raimondii, die grösste Bromelienart der Welt. Die Höhenanzeige auf unserem Garmin kraxelt langsam und stetig immer höher bis wir schliesslich die erste Passhöhe bei 5011 MüM erreicht haben. Die zweite Passhöhe etwas später soll sogar auf über 5100 MüM gehen. Auf der Kiesstrasse liegt zum Teil Schnee und rings um uns türmen sich Bergspitzen von über 6000 MüM Höhe auf. Was für ein tolles Panorama.
Auf dem Weg nach unten entdecken wir zu unserem Erstaunen vor uns fahrend ein Tuk-Tuk, welches in rasantem Tempo den Berg runterrast. Die Dinger sind wohl zäher als sie aussehen.
Thanks to the diesel additives and tea made from Coca leaves, things continue to run smoothly at altitude and so we dare to tackle the next pass. It goes up to over 5000 meters. We and our Troopy have to fight hard due to the joint loss of power caused by the lack of oxygen. On the climb we see many mountain viscachas, which in german are also very aptly called rabbit-mouses, and discover a gigantic growth unknown to us from afar. Marcel has fought his way up the mountainside for the size reference, which at these altitudes is a truly breathtaking endeavor, in the truest sense of the word . The plant identifies (later researched) as a Puya raimondii, the largest species of bromeliad in the world. The altitude display on our Garmin slowly and steadily climbs higher and higher until we finally reach the first pass at 5011 meters above sea level. The second pass a little later is supposed to be over 5100 meters. There is snow on the gravel road in places and all around us are mountain peaks over 6000 meters high. What a fantastic panorama.
On the way down, we are amazed to spot a tuk-tuk speeding down the mountain in front of us. These things must be tougher than they look.












Für einen Abstecher an die Küste verlassen wir die Anden und finden auf dem Weg nach unten einen tollen Übernachtungsplatz in den sich auslaufenden Bergen. Hier schwelgen wir in den tollen Erlebnissen der ersten Tage in Peru.
We leave the Andes for a detour to the coast and find a great place to spend the night in the fading mountains on the way down. Here we revel in the great experiences of our first few days in Peru.
